Die Kräuterweide

Das Nahrungsspektrum des Pferdes ist vielfältig. Es besteht aus Gräsern, Kräutern, Moosen und Flechten, Rinde, Knospen als auch Wurzeln und sogar Erde.

Der Bedarf an Mineralstoffen ist hoch, das ist zumindest meine Behauptung und Beobachtung und dieser wird normalerweise durch eine entsprechende Vielfalt abgedeckt. Mineralstoffe, die das Pferd braucht, kommen in verschiedenen Pflanzen vor, aber besonders auch in Rinden, Wurzeln, Moosen, Flechten und Mineralerde.

Pferdeweiden in Deutschland sind sehr oft gräserreich und artenarm oder durch Überweidung / Überdünung mit unliebsamen Pflanzen bestückt.

Die behördlichen Bestimmungen lassen manchmal auch nichts anderes zu, da der Flächennutzungsplan genau vorschreibt, was auf einer Fläche wachsen darf.

Nun, wer die Möglichkeit hat, sollte sie nutzen und eine Kräuterweide anlegen. Gerade auch wenn aus der Wiese Heu gemacht werden soll, wäre dies eine hervorragende Ergänzung. Außerdem bietest du damit deinem Pferd die Möglichkeit, seinen Instinkten nachzugehen, die die spezifische Nahrungssuche beinhalten.

In einem älteren Kräuterbuch für Pferde, welches seinerzeit von einem Tierarzt geschrieben wurde, las ich wie eine solche Kräuterweide angelegt werden kann.

Um eine Kräuterweide anzulegen, müsse die Fläche nicht umgebrochen werden, es reiche die bodengerechte Düngung (Stichwort Bodenanalyse), Vertikutieren und eine entsprechende Nachsaat. Zum Erhalt der nun verbesserten Weide bedürfe es der Sorgsamkeit, in der jeder Faktor, der die empfindlichen Gräser und Kräuter zu Gunsten stärkerer Vertreter schwäche, vermieden würde.

Diese seien: Überweidung durch Verbiss, eine zu hohe Besatzdichte bei nassem Wetter sowie eine zu frühe Beweidung im Frühjahr.

Eine entsprechende Pflege durch Abmisten und / oder Wechselbeweidung mit anderen Tieren sei empfehlenswert. Die Heuernte solle vergleichsweise spät erfolgen, um auch die wertvollen Kräuter zu erfassen, welche im Wachstum meist den Gräsern hinterher stünden.

Hier wird auch auf s.g. Zeigerpflanzen hingewiesen, wie etwa den Hahnenfuß oder auch eine zu dichte Besiedelung mit Löwenzahn. Beide zeigten eine zu reichliche Stickstoffdüngung /-belastung an. Um dieses gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen, verweist er auf die Analysen und entsprechende Düngung sowie Abmähen oder Ausstechen. Die Anwendung s.g. Herbizide sei ausdrücklich zu verhindern.

Die Kräuterweide entsteht – ein ökologisches Paradies, Medizin und Nahrung für das Pferd

Exzessive Pferdehaltung und Monokultur-Weideflächen zerstöre die Natur, wo doch viele Pferdehalter sich die „Naturverbundenheit“ auf die Fahne schrieben. Diese sollte sich auch im Lebensraum widerspiegeln. Durch eine Kräuterweide entstünde ein kleines Biotop und die Bilanz falle hierbei nicht nur für die Pferde positiv aus, sie trüge auch dem positivem Image der Pferdehaltung bei.

Eine vollwertige Pferdeweide solle eine große Bandbreite an Gräsern und Leguminosen (Schmetterlingsblütler) sowie Kräuter aufweisen.

Obergräser:

Knäuelgras (Dactylis glomerata), Wiesenfuchsschwanz (Alopecurus pratensis), Wiesenlieschgras (Phleum pratense) und Wiesenschwingel (Festuca pratensis)

Untergräser:

Weidelgras (Lolium-Arten), Wiesenrispengras (Poa pratensis), Rotschwingel (Festuca rubra), Straußgras (Agrostis tennuis)

Obergräser würden durch Heugewinnung gestärkt, Untergräser hingegen durch Weidenutzung. Es empfehle sich die sorgsame Pflege der Untergräser durch Beweidung.

Leguminosen*

Bockshornklee (Trogonelle foenum-graecum), Luzerne (Medicago stiva), Weißklee (Trifolium repens) sowie Wiesenrotklee (Trifolium pratense)

* Leguminosen gehen in ihren Wurzelknöllchen eine Symbiose mit Bakterien ein, die Stickstoff fixieren. Sie machen sich dadurch unabhängig vom Nitratgehalt des Bodens und gleichzeitig können sie den Boden mit Stickstoff anreichern. Sie dienen der natürlichen Fruchtfolge. Ihr Eiweißgehalt macht sie als Tierfutter interessant und schreckt gleichzeitig viele ab. Jedoch sollte hier beachtet werden, dass es sich dabei nur um einen TEIL auf der Pferdeweide handelt, welche der natürlichen Artenvielfalt dient und somit nicht in Massen aufgenommen werden kann.

Grundmischung Kräuter

Gänseblümchen (Bellis perennis), Gemeiner Löwenzahn (Taraxaum officinale), Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium), Spitzwegerich (Plantago lanceolata)

Erstrebenswerte Ergänzung, sofern der Standort passend sei:

Echte Kamille (Matricaria recutita), Gemeiner Beifuß (Artemesia vulgaris), Gemeines Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris), Melisse (Melissa offininalis), Pfeffermine (Mentha piperita), Weiße Taubnessel (Lamium album)

Eine geringe  Menge von:

Echter Salbei (Salvia Ofiicinalis), Rainfarn (Tanacetum vulgare)

Zur Abrundung seien geeignet:

Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense), Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria), Großer Bibernelle (Pimpinella major), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Vogelmiere (Stellaria media), hier wird sogar der Gundermann (Glechoma hederacea) erwähnt

Dieses Buch stammt aus 1996 „Kräuterapotheke fürs Pferd“ von Dr.med.vet Jürgen Bartz

Erstaunlich finde ich, dass er hier viele Pflanzen nennt, die im Jahresverlauf von den Pferden gerne gegessen werden und aufgrund dieser Beobachtungen Einzug in mein eigenes Buch fanden.

Hier wird eine Sache wieder rund! Aber sowas von!

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